Gebäude Tierklinik

Spezielle Diagnostik und Therapie

Das Einschätzen der Schwere einer Augenerkrankung ist für den Besitzer häufig sehr schwierig. Ein Grund hierfür ist sicherlich die fehlende Kommunikation. Weder Hund noch Katze können uns auf beginnende Seheinschränkungen aufmerksam machen. Die Schmerzhaftigkeit eines Prozesses wird häufig nicht gezeigt. Ein anderes Problem liegt darin begründet, dass die Symptome bei verschiedenen Augenerkrankungen ähnlich sind. So ist das Auge bei einer einfachen Bindehautentzündung, die ungefährlich ist, genauso gerötet, wie bei einem grünen Star, einer der schwersten Augenerkrankungen, im Anfangsstadium. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass bei einer Erkrankung des Auges nicht viel Zeit verstreichen darf, bis sie einem Fachmann vorgestellt werden muss.

Die AUGENHEILKUNDE (OPHTHALMOLOGIE) beschäftigt sich mit den Erkrankungen des Auges. Da es sich beim Auge um ein komplexes Organ handelt, dass sich aus vielen kleinen Anteilen zusammensetzt, sind die Erkrankungen sehr zahlreich und führen nicht selten bei Nichtbehandlung zur Erblindung. Aufgrund der Lage und Größe dieser einzelnen Bestandteile im Auge wurden spezielle Geräte und Verfahren entwickelt, um das Auge vollständig untersuchen zu können. Neben relativ einfachen aber essentiellen Maßnahmen, wie der Messung der Tränenmenge, stehen dem spezialisierten Tierarzt auch Geräte zur Verfügung, die die Betrachtung des inneren Auges ermöglichen (Spaltlampe, Ophthalmoskop). Ultraschalluntersuchung und Netzhautfunktionsmessung komplettieren bei Bedarf die Untersuchung. Erst eine solche ausführliche Untersuchung kann zu einer Diagnose führen, die eine adäquate Behandlung ermöglicht. Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die einzelnen Anteile des Auges und deren Funktion gegeben werden. Wichtige Erkrankungen werden kurz erläutert. Jedoch kann dieser Text aufgrund der Komplexität der Materie keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Die LIDER (Ober- und Unterlid, drittes Augenlid) haben neben der Schutzfunktion auch die Aufgabe, die Hornhaut durch regelmäßige Wischbewegung die Hornhaut zu befeuchten. Häufig entstehen aufgrund von Lidfehlstellungen Probleme mit Haarkontakt auf der Hornhaut, die zu chronischen Irritationen führen.

Die HORNHAUT (KORNEA) stellt das Fenster des Auges dar, das den Eintritt des Lichtes in das Auge ermöglicht. Ihre wichtigsten Funktionen liegen in der Transparenz und der ersten Lichtbrechung. Die Transparenz wird dadurch erreicht, dass die Hornhaut relativ wenig Wasser und keine Blutgefäße enthält. Die Fasern aus denen sie zu einem großen Teil besteht, sind symmetrisch gelagert und ermöglichen so eine ungehinderte Passage des Lichtes. Kommt es zu Wassereinlagerungen, zu Blutgefäßeinsprossungen oder zu einer Umstrukturierung der Fasern, so hat das Trübungen zur Folge, die je nach Größe mit Sichtbehinderungen einhergehen können.
Zu Erkrankungen der Hornhaut führen häufig Verletzungen, die je nach Schwere unter Salbentherapie unkompliziert abheilen können. Perforationen der Kornea machen dagegen chirurgisches Eingreifen zur Rettung des Auges notwendig. Da die Hornhaut durch den Tränenfilm ernährt wird, wird sie ebenfalls bei Erkrankungen der Tränendrüse in Mitleidenschaft gezogen.

Das KAMMERWASSER füllt den vorderen Augenabschnitt aus und spielt bei einer der schlimmsten Augenerkrankungen eine Rolle – dem Grünen Star (Glaukom). Dabei kommt es durch Verlegung des Kammerwasserabflusses zu einem Druckanstieg im Auge. Da die inneren Augenanteile sehr druckempfindlich sind, kann es abhängig von der Druckhöhe in relativ kurzer Zeit bereits zu irreversiblen Schäden im Auge kommen, die eine Erblindung zur Folge haben. Ursächlich für eine solche Verlegung können angeborene Fehlbildungen (primäres Glaukom) sein, aber auch entzündliche Prozesse (Uveitis) oder eine Verlagerung der Linse (Linsenluxation) sein (sekundäres Glaukom).

Die REGENBOGENHAUT (IRIS) ist verantwortlich für die Farbe des Auges. Sie reguliert den Lichteinfall ins Auge und zieht sich bei hellem Licht zusammen, um eine kleine Pupille zu formen. Wird es dunkler, zieht sie sich auseinander und ermöglicht so mit einer Vergrößerung der Pupillenöffnung einen größeren Lichteinfall.
Die Iris ist häufig bei Entzündungsprozessen des Auges beteiligt (Uveitis). Es kann ebenfalls zu Tumorbildung kommen.

Die LINSE (LENS) befindet sich hinter der Iris. Sie dient der weiteren Lichtbrechung und somit der Abbildung eines scharfen Bildes auf der Netzhaut. Trübungen der Linse (Grauer Star/ Katarakt) verhindern diese Lichtpassage und führen im Anfangsstadium zu Seheinschränkungen und mit Fortschreiten der Erkrankung zur Erblindung. Bei einer anderen Erkrankung der Linse verliert diese ihre Haftung im Augapfel und es kommt mit zunehmender Beweglichkeit zu Verlegungen des Kammerwasserflusses und so zu einem Druckanstieg (Glaukom).

Die NETZHAUT (RETINA) enthält die nervalen Anteile des Auges, die der Lichtwahrnehmung dienen. In ihr findet die Verarbeitung der Photonen, aus denen das Licht besteht, zu elektrischen Impulsen statt, die über den Sehnerv und das Gehirn weitergeleitet werden. Eine Erkrankung der Netzhaut hat aufgrund ihrer Schlüsselfunktion häufig eine Erblindung zur Folge. Bei der PRA (progressive Retinaatrophie) verlieren die Rezeptoren durch Stoffwechselstörungen ihre Funktion. Bei einer Netzhautablösung kommt es durch die Spaltung der nervalen Anteile von der darunter liegenden Schicht zu einer mangelnden Ernährung und zu einer potentiellen Erblindung. Selten kommt es in diesem Bereich zu Tumorbildung.

Der SEHNERV leitet die elektrischen Impulse an das Gehirn weiter. Aufgrund von Entzündungen oder tumoröser Entartung kann er die Ursache für eine Erblindung sein.